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energate Gasmarkt Ausgabe 05|2020

Thema des Monats: Nord Stream 2 - Interview mit Finanzvorstand Paul Corcoran

Dr. Heiko Lohmann Dr. Heiko Lohmann

Es ist nun der Monat Nummer zwei, in dem die Coronakrise unser aller Leben bestimmt. In dieser Ausgabe meines Gasmarktes spielt sie allerdings nur eine geringe Rolle. Ich habe in der letzten Ausgabe schon geschrieben, dass der Gasmarkt und seine Akteure bisher geschäftlich relativ unbeeindruckt von der Krisensituation sind. Dies gilt auch weiter. Offen gestanden wollte ich es selbst kaum glauben, als ich mir die Allokationsdaten der Marktgebietsverantwortlichen angeschaut habe. Die Ausspeisemengen sowohl im RLM- als auch im SLP-Sektor weisen bisher keine gravierenden Rückgänge aus, wobei man – dies steht in dieser Ausgabe in der Rubrik Marktgerüchte – bei den SLP-Ausspeisungen etwas vorsichtig sein muss. Die Lastprofile, auf denen sie basieren, wurden wohl in der Regel nicht an die neue Situation angepasst. Aber auch in anderen Ländern ist die Gasnachfrage nicht dramatisch eingebrochen. Dies gilt selbst für Italien, wie Matthew Monteverde von Argus in einem Webinar der Plattform enmacc erläutert hat.

Trotzdem scheue ich mich natürlich, von „business as usual“ zu sprechen, da die ökonomischen Verwerfungen der Krise noch unklar sind. Aber dennoch dreht sich diese Ausgabe um den „Gasalltag“. Wichtig für den zukünftigen Alltag sind die beiden Festlegungen KAP+ und KOMBI, die Voraussetzungen für einen vernünftigen Startpunkt für das zukünftige THE-Marktgebiet schaffen. Für mich zeigen die Festlegungen, wie Marktteilnehmer und BNetzA zu tragfähigen Kompromissen kommen können. Aus meiner Sicht war es letztendlich ein guter Prozess, den ich in dieser Ausgabe noch einmal nachgezeichnet habe. Anfangs sah es ja nicht so gut aus.

Im Mai wird die BNetzA entscheiden, ob für Nord Stream 2 eine Freistellung vom regulierten Netzzugang gewährt wird. Paul Corcoran, der Finanzvorstand der Projektgesellschaft, hat im Interview in dieser Ausgabe erläutert, warum die Freistellung aus Sicht der Projektgesellschaft gerechtfertigt ist. Derzeit ruhen die Arbeiten an der Leitung. Die Akademik Cherskiy, ein russisches Verlegeschiff, das die Restarbeiten durchführen könnte, befindet sich mittlerweile in der Nordsee westlich der Niederlande. Corcoran betont aber in dem Interview, es gebe noch keinen Plan zur Beendigung der Arbeiten, sondern nur Optionen.

Thema des Monats: Nord Stream 2 - Interview mit Finanzvorstand Paul Corcoran

Das Ende des vergangenen Jahres war eine harte Zeit für die Nord-Stream-2-Projektgesellschaft (ener|gate Gasmarkt 12/19). Der amerikanische Präsident hatte das Sanktionsgesetz „Protecting Europe’s Energy Security Act (PEESA)“ unterzeichnet. Mit dem Gesetz werden alle Firmen und Personen mit Sanktionen bedroht, die Nord Stream 2 (und Turk Stream) Schiffe für die Verlegung von Leitungen in einer Wassertiefe von mehr als 30 Metern zur Verfügung stellen. Allseas, das Unternehmen, das die Verlegearbeiten für Nord Stream 2 durchgeführt hatte, zog dann sofort seine beiden Schiffe ab und hat die Zusammenarbeit mit Nord Stream 2 eingestellt. Im Dezember trat zudem die Änderung des deutschen Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) in Kraft, mit der die Anpassung der europäischen Gasrichtlinie in deutsches Recht umgesetzt wurde. Unter dem neuen deutschen und europäischen Rechtsrahmen werden alle Verbindungsleitungen zwischen Drittländern und EU-Staaten in den Hoheitsgewässern der Mitgliedsstaaten den EU-Regeln zum Netzzugang unterworfen. Für Leitungen, die vor dem 23. Mai 2019 fertiggestellt wurden, ist für 20 Jahre eine Freistellung möglich.

MarktentwicklungEFET: Vorschlag für GABi Gas 3.0

Die Diskussionen um die stark gestiegenen Bilanzierungsumlagen liegen schon wieder eine gewisse Zeit zurück (ener|gate Gasmarkt 11/18). Zum 01. Oktober 2018 hatte NCG die RLM-Umlage auf 0,60 Euro/MWh festgelegt, vorher war sie null. Die SLP-Umlage betrug ab dem Zeitpunkt sogar 1,20 Euro/MWh statt null. Verglichen damit war der Anstieg der Umlagen bei Gaspool von 0,08 auf 0,26 Euro/ MWh (RLM-Umlage) und 0,20 auf 0,73 Euro/ MWh vergleichsweise moderat.

Nach dem starken Anstieg hatten etliche Verbände und Stadtwerkekooperationen Anpassungen an den Regeln des Bilanzierungssystems, GABi Gas 2.0, gefordert, um die Volatilität bei den Umlagen zu verringern oder zumindest planbarer zu gestalten. Alle damaligen Initiativen sind im Sande verlaufen. BNetzA und Marktgebietsverantwortliche haben keine Anpassungsnotwendigkeit gesehen. Im Oktober 2019 sind die Umlagen wieder stark gesunken. Insgesamt hat die Umlagenentwicklung etwas von Achterbahn fahren.