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energate Gasmarkt Ausgabe 05|2019

Thema des Monats: Algo-Trading und Gas

Dr. Heiko Lohmann

Ich glaube, ich habe noch nie eine so IT-lastige Ausgabe gemacht wie dieses Mal. Das Thema des Monats ist Auto- oder Algo-Trading im Gashandel. Dafür war ich in Wien bei VisoTech. Das Unternehmen ist kein Start-up mehr und der Sitz in einem Industriegebiet alles andere als besonders aufregend. Aber die Atmosphäre und Ausstattung ist schon so, wie man sich ein Unternehmen vorstellt, das digitale Entwicklung vorantreibt. Über den Flur „schlappt“ dann schon mal ein barfüßiger Entwickler. Wobei derGeschäftsführer Jürgen Mayerhofer  zwar auch noch jung und mit Visionen ausgestattet ist, aber eher Zahlen und Vertrieb im Blick hat. Gashandel und Auto-Trading sind auch alles andere als eine Selbstverständlichkeit, wie der Bericht zeigt. 

Nicht einmal jung ist Alexey Mileev, der nichts anderes im Sinn hat, als Ineffizienzen im europäischen Gastransport zu Lasten der Fernleitungsnetzbetreiber und zu Gunsten der Händler zu beseitigen. In Riga hatte er vor zwei Jahren mit Route4Gas begonnen, im September soll der Vertrieb starten. Die Idee hinter dem Unternehmen wird in diesem Heft vorgestellt.

IT spielt auch im Geschäft von EGSSIS eine Rolle, aber nicht nur, wie Stefan Quentin im Interview erläutern wird. EGSSIS ist im Grunde ein etablierter Anbieter von Dienstleistungen bei der Abwicklung von Gas- und Stromgeschäften. Tom Dufraing, ein ehemaliger Distrigas-Manager, hat das Unternehmen 2008 gegründet. Neu ist der Ansatz, die Organisation und den Vertrieb deutlich über Belgien hinaus zu entwickeln.

RahmenbedingungenGesetz zur Beschleunigung des Energieleitungsbaus

Große Aufregung gab es um das Gesetz zur Beschleunigung des Energieleitungsausbaus. Ganz ehrlich, ener|gate Gasmarkt hat eine Weile gebraucht, um die Bedeutung der Aufregung für den Gassektor zu verstehen. Das Gesetz ist ein Artikelgesetz, mit dem 20 Gesetze und Verordnungen geändert werden, um den Ausbau der Stromnetze zu beschleunigen (das Netzausbaubeschleunigungsgesetz (NABEG) ist eines der zu ändernden Gesetze).

Der Bundesrat musste zustimmen und in seiner Stellungnahme hatte er eine ganze Reihe von Änderungen am Regierungsentwurf gefordert. Eine zusätzliche Änderung betrifft § 43 Energiewirtschaftsgesetz (EnWG), in dem die Planfeststellung für Gas- und Stromleitungen geregelt ist. Diese erfolgt durch die zuständigen Länderbehörden. Neben den Leitungen sollen die Landesbehörden in Zukunft auch Energiekopplungsanlagen und Großspeicheranlagen mit einer Leistung von mehr als 50 Megawatt genehmigen können. Dies wurde neu eingefügt...

Nord Stream 2

Die Marktteilnehmer sollten sich langsam darauf einstellen, dass Nord Stream 2 nicht Ende 2019 fertig wird. Die Betreibergesellschaft der Pipeline hat auf ihrer Internetseite im April eine lange Pressemitteilung veröffentlicht. Kern der Mitteilung: Nord Stream hat einen neuen Antrag für die Route durch Dänemark gestellt.

Nach der Südroute und der Nordroute (jeweils um Bornholm herum) musste nun auf Anforderung der dänischen Energie-Agentur der Antrag für eine neue Südroute gestellt werden. Hintergrund: Dänemark und Polen haben sich auf einen Gebietstausch geeinigt, der Dänemark ein Stück exklusive Wirtschaftszone südlich von Bornholm eingebracht hat (für Polen ist der Tausch wegen der Baltic Pipeline wichtig). Die Dänen wollen nun, dass Nord Stream 2 einen Antrag für die Nutzung dieses Abschnittes stellt. Dann muss aber eine neue Umweltverträglichkeitsprüfung durchgeführt werden. Aufgrund des Zeitbedarfs für die Prüfung kann die Genehmigung gar nicht so schnell erteilt werden, dass die Pipeline bis Ende des Jahres zu Ende gebaut wird.

Aus Sicht der Betreibergesellschaft stellt das dänische Verhalten eine reine Verzögerungstaktik dar. Aber ändern wird Nord Stream 2 wohl nichts können. Deshalb muss dringend eine Vereinbarung zwischen Gazprom und Naftogaz Ukraine oder des sich in Gründung befindlichen unabhängigen Fernleitungsnetzbetreibers (auch ein schwieriger Prozess) her, die für einen Transit über 2019 hinaus benötigt wird. Der aktuelle Transitvertrag läuft Ende 2019 aus, bisher zeichnet sich kein neuer Vertrag ab. Je weiter die Uhr tickt, desto stärker dürfte sich das Risiko fehlender russischer Mengen in den Handelspreisen niederschlagen...